Panzerwelse - Staubsauger im Aquarium
Für viele Aquarianer sind Panzerwelse nur die Staubsauger im Aquarium, die dafür sorgen sollen, Futterreste zu verwerten. Diese putzigen Gesellen sind jedoch mehr. Wer einmal, auch nur durch Zufall, Panzerwelse gezüchtet hat und ein Rudel ein Zentimeter langer Jungfische durchs Becken hat huschen sehen, wird die Tiere lieben und nicht mehr missen wollen.
Die bekanntesten Panzerwelsarten sind der Metallpanzerwels (Corydoras aeneus) und der Marmorierte Panzerwels (Corydoras paleatus). Beide Arten gibt es auch in einer albinotischen Form, d.h. ohne Farbpigmente und somit rein weiß/rosa. Die Arten der albinotischen Formen sind nicht mehr zu unterscheiden. Beide Arten werden bis 7 cm groß. Wichtig ist, daß Panzerwelse in Gruppen ab 6 Tiere zu halten sind, da sie Schwarmfische sind und erst so ihr interessantes Verhalten zeigen. Panzerwelse gibt es quasi für jede Aquariengröße. Auch in einem kleinen 30 Liter Becken kann man z.B. Corydoras habrosus oder Corydoras pygmaeus halten, die nur 3,5 cm bzw. 2,5 cm groß werden. Für große Aquarien mit Buntbarschen eignet sich beispielsweise der bis 10 cm groß werdende Smaragdpanzerwels Brochis splendens.
Vergesellschaftet werden können Panzerwelse mit allen Fischarten, die die Welse nicht als Futter ansehen. Selbst sind Panzerwelse sehr friedlich und fressen auch keine Jungfische anderer Arten oder stellen diesen nach.
Ans Wasser stellen Panzerwelse keine besonderen Ansprüche, allerdings sollte der pH-Wert im Bereich von 6,0 bis 8,0 und die Härte unter 25° dGH liegen.
Daß Panzerwelse reine Restevertilger sind, ist nicht richtig. Natürlich kann man sie mit Futterresten am Leben halten, aber sie haben wie alle Fische auch eigene Futteransprüche. Sie sollten abwechslungsreich mit pflanzlichem und tierischem Futter versorgt werden. Es gibt spezielles Welsfutter, das diese Bedürfnisse abdeckt. Zusätzlich wird gern Frostfutter und auch lebende Tubifex gefressen. Tubifex sollte allerdings nur selten in kleineren Portionen gefüttert werden, da diese Tiere aus belasteten Gewässern kommen und außerdem die Fische bei übermäßiger Fütterung schnell verfetten.
Natürlich interessiert jetzt jeden, wie man diese schönen Tiere züchten kann. Vielfach ist die Zucht von Metall- oder Marmorierten Panzerwelsen die erste Fischzucht im Leben eines neuen Aquarianers. Auf einmal beginnen die Tiere abzulaichen und der Aquarianer freut sich, weiß aber nicht warum sie laichen. Um dies zu erklären, will ich einmal darauf eingehen, woher die Panzerwelse überhaupt kommen und wie sie sich in der freien Natur vermehren.
Die meisten der zur Zeit etwa 200 wissenschaftlich bekannten Corydoras-Arten kommen aus dem Einzugsgebiet des Amazonas in Südamerika. Dort beherbergt nahezu jedes Flußsystem seine eigene Art oder Unterart. Von diesen Arten werden nur etwa 10 Arten regelmäßig kommerziell gezüchtet. Die Fortpflanzung der Panzerwelse findet mit Beginn der Regenzeit in den Winrtermonaten statt, wenn die Flüsse über die Ufer treten und in den Überschwemmungsgebieten reichlich Futter und Versteckplätze für die Jungfische zur Verfügung steht. Wer glaubt, daß alle Urwaldbäche so schön pflanzenreich aussehen, wie unsere Aquarien, der irrt sich. Die meisten Flüsse sind aufgrund der Strömung und der Lichtverhältnisse kaum bewachsen. Ihr Boden ist sandig oder bei langsam fließenden Bächen mit Laub und Ästen bedeckt. Durch das Blätterdach der Urwaldbäume fällt kaum genügend Licht, um Wasserpflanzen gedeihen zu lassen. Während der Regenzeit finden die Panzerwelse im überfluteten Urwaldboden reichlich Futter und auch Insektenlarven von z.B. Mücken, die sich in dem stehenden sich erwärmenden Wasser gut vermehren. Die Jungfische werden nicht von der Strömung weggerissen und können quasi auf dem Urwaldboden aufwachsen.
Was hat dies nun mit der Panzerwelszucht im heimischen Wohnzimmer zu tun? Soll ich das Wohnzimmer unter Wasser setzen und die Panzerwelse vermehren sich zwischen Couch und Fernseher? Sicher nicht, aber diese Veränderungen von Wasser und Futter in der Natur können wir im heimischen Aquarium nachempfinden. Über die Sommermonate, wenn wir sowieso lieber im Garten in der Sonne liegen oder Urlaub machen, fehlt uns eh das Interesse, uns intensiv mit den Aquarien zu beschäftigen. Wir füttern ein bißchen Flockenfutter und Futtertabletten und auch der Wasserwechsel ist nicht mehr so häufig. Daß dies der Anfang für den Erfolg nicht nur bei der Panzerwelszucht (!) ist, ist kaum zu glauben. Im Oktober, wenn das Wetter draußen wieder schlechter wird, und die Tennisschläger ihren Winterschlaf im Schrank beginnen, wird mit den eigentlichen Zuchtvorbereitungen begonnen. Entweder man verwendet ein eigenes Zuchtbecken oder überführt später die Eier in ein Extrabecken. Dazu später mehr. Um die Panzerwelse in Vermehrungsstimmung zu bringen, sind bei den meisten gut züchtbaren Arten häufige Wasserwechsel mit kaltem Wasser und eine kräftige Fütterung mit gefrorenen Mückenlarven und Tubifex nötig. Wenn die Weibchen „kugelrund“ sind und von den kleineren schlankeren Männchen verfolgt werden, steht das Ablaichen kurz bevor. Je nach Art darf der Züchter jetzt weiter vorgehen. Bei den aeneus oder paleatus können die Tiere im Haltungsbecken belassen werden, wenn dieses überall für den Züchter gut zugänglich ist. Diese Tiere sind so freundlich und laichen teilweise über 100 Eier in größeren Ansammlungen an den Aquarienscheiben ab. Die auch von mir gezüchteten Corydoras panda und Corydoras cf. adolfoi sind da etwas „unfreundlicher“. Sie verstecken die Eier einzeln oder zu zweit an Wasserpflanzen, aber genauso wie die zuerst genannten Arten meist im Bereich der Wasserströmung. Beim eigentlichen Ablaichvorgang setzt sich ein Männchen in T-Stellung vor das Weibchen und gibt sein Sperma ab. Das Weibchen laicht ab und fängt die ein bis zwei Eier mit ihren zu einer Tasche gehaltenen Bauchflossen auf. Erst dann schwimmt das Weibchen zu einer ihr genehmen Stelle und heftet die stark klebenden Eier an. Werden die Eier nicht vom Züchter in Sicherheit gebracht oder die Elterntiere aus dem Zuchtbecken entfernt, dann findet die Zucht nach dem Motto „hinten raus, vorne rein“ ein schnelles Ende.
Die Eier sind derart unempfindlich, daß sie mit den Fingern durch Rollen von ihrem Platz entfernt und in ein Aufzuchtbecken oder einen Ablaichkasten überführt werden können. Auch das kurzfristige Entfernen aus dem Wasser macht den Eiern nichts aus. Ich habe für die Zucht immer Amazonaspflanzen, die in Tontöpfen eingepflanzt waren, oder mit Javafarn bewachsene Wurzeln als Ablaichplätze angeboten. Die Töpfe und Wurzeln konnte ich dann aus dem Wasser nehmen und die Eier absammeln.
Es wird in der einschlägigen Literatur empfohlen, dem Wasser ein Mittel gegen das Verpilzen der Eier zuzusetzen. Dies halte ich für Schwachsinn. Warum auf chemische Mittel zurück greifen, wenn man etwas viel besseres in einem anderen Becken züchtet? Die beste Methode die Panzerwelseier vor dem Verpilzen zu bewahren ist es, Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus) bis zu einer Größe von 3 cm einzusetzen. Diese lutschen die ganze Zeit an den Eiern, können sie aber nicht zerstören. Eier, die am nächsten Tag weiß werden, können entfernt werden, da sie unbefruchtet sind. Je nach Temperatur schlüpfen die Panzerwelse nach unterschiedlicher Zeit. Die kleinen Panzerwelse sind nur wenige Millimeter groß und sehen aus wie schwimmende Kommata. Gefüttert werden die Kleinen mit Artemia Nauplien und je nach Größe mit Cyclops und feinem Trockenfutter oder Futtertabletten.
Interessant ist, daß ich die Erfahrung gemacht habe, daß Panzerwelse nur in ihren ersten Lebensmonaten richtig wachsen. Ich habe ca. 3 Jahre alte Corydoras cf. adolfoi, die normalerweise bis 6 cm groß werden, mit einer Körperlänge von 2 cm. Sie sind als Jungfische aus bisher unbekannten Gründen nicht richtig gewachsen und tun dies jetzt auch nicht mehr.
Ich hoffe, mit meinem Artikel etwas Interesse für diese Fische geweckt und ihr Image als Staubsauger und Restevertilger aufgebessert zu haben.
Wer weitere Informationen haben möchte, frage einfach auf der Zierfischbörse einen Panzerwelszüchter, komme zu unseren Vereinstreffen oder schaue im Internet auf



