Die Gattung Apistogramma erfreut sich in der Aquaristik sehr großer Beliebtheit. Es gibt ca. 70 Arten, die alle in Südamerika beheimatet sind. Ein gattungstypisches Merkmal aller Arten ist ein deutlicher Sexualdimorphismus, der in direktem Zusammenhang mit der Fortpflanzungsbiologie dieser Fische steht. Einfach ausgedrückt kann man sagen, die Geschlechter können gut anhand der Färbung, Größe und Flossenform unterschieden werden. Bei ihnen handelt es fast ausschließlich um Vater-Mutter-Familien, d.h. das Weibchen betreut die Eier und Jungfische und das Männchen verteidigt das Revier. Alle Apistogramma Arten sind Höhlenbrüter und viele Arten polygam, d.h. ein Männchen hat mehrere Weibchen.

Über mehrere Jahre habe ich Erfahrungen mit verschiedenen Apistogramma Arten gesammelt, dazu gehören A. cacatuides, A. borelli, A. nijsseni, A. trifasciata und A. viejita. Hier möchte ich nicht einzelne Arten beschreiben, sondern darstellen, was zu beachten ist, damit auch Aquaristik-Einsteiger diese wunderschönen Tiere mit Erfolg pflegen und auch züchten können.

Apistogramma Arten sind nichts für’s große Gesellschaftsbecken mit vielen bunten und lebhaften Fischen. Sie fühlen sich nur in einem gering besetzten Aquarium mit vielen Pflanzen und Höhlen wohl. Das Wasser muß weich und (leicht) sauer sein. Bei Temperaturen um 25°C fühlen sie sich am wohlsten. Somit kommen als Gesellschaft Salmler, Beilbäuche, Hechtlinge, „Saugwelse“ und Panzerwelse in Frage. Dabei ist darauf zu achten, daß ein Apistogramma-Männchen in der Regel kein anderes Männchen im gleichen Aquarium duldet. Auch ein 200 Liter Aquarium ist keine Gewähr dafür, daß die Kämpfe der Männchen glimpflich verlaufen und sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Wenn man wirklich in einem großen Becken ab 500 Liter mehrere Männchen einer Art halten will, sollten es nicht unter fünf Tiere sein, damit sich die Aggressionen einzelner Tiere auf die anderen verteilen kann.

Apistogramma lassen sich nicht mit Flockenfutter oder Futtertabletten ernähren! Sie fressen nur Lebend- oder Frostfutter. Besonders schwarze Mückenlarven und Cyclops werden gern genommen. Auf die Verfütterung von lebenden Tubifex sollte man verzichten, da dieses Futter sehr fetthaltig ist und, wie rote Mückenlarven, häufig aus belasteten Gewässern kommt.

Die Zucht der meisten Arten ist, wenn man sich an die geschilderten Pflegebedingungen hält, meist gut möglich. Wichtig ist, daß die Weibchen genügend Versteckplätze haben, in die sie sich vorm balzenden Männchen zurückziehen können. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um monogame, wie zum Beispiel A. nijsseni, oder polygame Arten handelt. A. nijsseni hält man paarweise. Bei einem gut harmonisierendem Paar reicht dann schon ein 50 Liter Aquarium, um erfolgreich zu züchten. Bei A. cacatuides sollten mehrere Weibchen zu einem Männchen gesetzt werden, damit sich das Männchen ordentlich „austoben“ kann. Dies ist natürlich nur in größeren Becken möglich. Gefüttert werden die Jungfische mit frisch geschlüpften Artemia Nauplien.

Warum sind Apistogramma Arten so „teuer“? Im Handel bezahlt man für ein Paar A. cacatuides ab ca. 20,- DM und für ein schönes Paar A. nijsseni 50,- DM. Andere Arten können auch weitaus teurer sein. Die Gründe sind der geringe Import, da viele Arten nur in einem sehr begrenzten Lebensraum vorkommen und somit recht selten sind, und die geringe Vermehrungsrate von 40 bis 60 Jungtieren pro Brut. Auch ist das Geschlechterverhältnis häufig sehr unausgewogen. Es gibt meist sehr viel mehr Männchen als Weibchen in einem Wurf. Dieses Verhältnis läßt sich allerdings durch die Wassertemperatur und den pH-Wert, je nach Art verschieden, beeinflussen.

Fazit: Um zu unserer Ausgangsfrage zurück zu kommen: Sind Apistogramma auch etwas für den Anfänger? Werden Apistogramma wie oben beschrieben gehalten, dann sind sie schöne und dankbare Pfleglinge, die allerdings meist nicht mehr als zwei bis drei Jahre alt werden. Hat man allerdings nicht die Möglichkeiten oder das Interesse ALLE geschilderten Bedingungen zu schaffen, sollte man vom Halten dieser Arten absehen! Wichtig ist, sich VOR dem Kauf über die spezifischen Bedingungen jeder einzelnen Art zu informieren. Hierfür gibt es reichlich Literatur und auch die Züchter geben ihnen gern Ratschläge.

Sollte ich Ihr Interesse an dieser Gattung geweckt haben, und sollten Sie sich intensiver über meine Erfahrungen informieren wollen, schauen Sie doch einfach auf meinen Internetseiten vorbei, auf denen ich meine Aquaristiktagebücher mit Zuchtbeschreibungen veröffentlicht habe.