Ringelhand-Garnele
In diesem Artikel möchte ich eine Süßwassergarnele vorstellen, die unter Beachtung einiger Kriterien auch im Gesellschaftsbecken gepflegt werden kann.
Der Name „Ringelhand-Garnele“ ist nicht wissenschaftlich dokumentiert, sondern wurde von Uwe Werner in seinem Buch „Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium“ verwendet, um den Tieren, die bisher nicht wissenschaftlich beschrieben sind, überhaupt einen Namen zu geben. Meine vier Alttiere stammen aus der Zucht von Uwe Werner und wurden von Gerd Voss in Hannover aufgezogen, so daß ich sie schon fast ausgewachsen bekommen habe.
Nun aber zu den Tieren selbst. Die Garnelen gehören zur Gattung Macrobrachium, den Großarmgarnelen, die weltweit als Flußbewohner vorkommen. Sie werden Großarmgarnelen genannt, da insbesondere die Männchen ein sehr langes Armpaar haben können. Es gibt Arten, die bis zu 30 cm groß werden können. Uwe Werner schreibt, daß er Garnelen in Mittelamerika bei Karbonat- und Gesamthärten von 6° bis 18° und Temperaturen von 23°C bis 34°C gefangen hat. Daraus läßt sich schließen, daß diese Arten recht anpassungsfähig sind.
Die „Ringelhand-Garnele“, deren Heimat nicht bekannt ist, ist mit einer Körperlänge von ca. 7 cm ausgewachsen. Den Namen „Ringelhand“ haben sie, da Jungtiere und Weibchen rot geringelte Greifarme haben.
Haltung
Die Haltung dieser Tiere ist unproblematisch. Der pH-Wert sollte um 7 liegen und die Temperatur um 25°C betragen. Sie lassen sich in weichem bis hartem Wasser halten. Das Aquarium sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten, da sich die Alttiere gern im Verborgenen aufhalten und nur zum Füttern hervor kommen. Jungtiere sind nicht so lichtscheu und halten sich gern an höherer Position auf. Das Becken kann und sollte gut bepflanzt werden. Die Garnelen fressen keine gesunden Pflanzen. Mehr als vier erwachsene Tiere sollten in einem 60er Becken nicht gehalten werden. Auch hier gilt, je größer das Becken umso besser.
Fütterung
Natürlich kann man die Garnelen auch mit Flockenfutter ernähren, sollte man aber nicht. In der Natur haben Garnelen die Aufgabe, tote Fische zu entsorgen. Daher sollten wir ihnen auch entsprechendes tierisches Futter anbieten. Dies können tote Fische, Frostfutter und natürlich auch Lebendfütter wie Wasserflöhe sein. Vegetarische Kost wie z.B. gefrorene Erbsen werden auch gern genommen.
Vergesellschaftung
Diese Garnelenart möchte ich als friedlich bezeichnen. Erwachsene Männchen haben bis zu sechs Zentimeter lange Greifarme mit denen sie auch Fische erbeuten können. Es handelt sich bei den Garnelen nicht um Jäger, aber wenn sie bei der teilweisen nächtlichen Futtersuche über einen Fisch „stolpern“ und dieser nicht flieht, sondern sich greifen läßt, so wird er auch gefressen! Dies gilt insbesondere für Salmler, die nachts in bodennähe schlafen. In meinem 60er Becken halte ich zur Zeit ein Garnelen-Männchen und zwei Weibchen mit ihren Jungtieren. Außerdem hat sich das auch im Becken lebende Antennenwels-Pärchen „leider“ vermehrt. Den kleinen Antennenwelsen wird nicht nachgestellt, allerdings ist nicht auszuschließen, daß auch schon mal ein kleiner Wels gegriffen und gefressen wird. Die Jungfischanzahl wurde allerdings noch nicht merklich reduziert.
Untereinander sind die Garnelen sehr verträglich. Nur wenn sich ein Tier frisch gehäutet und keinen sicheren Versteckplatz gefunden hat, kann es sein, daß ihr ein Artgenosse mal ein oder mehrere Arme/Beine abschneidet. Diese wachsen bei den nächsten Häutungen dann wieder nach.
Zucht
Die Zucht der „Ringelhand-Garnelen“ ist recht einfach, da die Weibchen recht große Eier produzieren aus denen dann „fertige“ Garnelen schlüpfen. Die Tragzeit der Eier, die das Weibchen unter ihrem Hinterleib hält, dauert bis zu vier Wochen und ist stark von der Wassertemperatur abhängig. Die Junggarnelen werden vom Weibchen in einem Versteck entlassen, halten sich noch wenige Tage dort auf und verlassen dann den Schutz des Weibchens. Die Garnelen sind nun ca. 5 mm groß und durchsichtige Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie können einfach mit dem oben genannten Futter aufgezogen werden. Sogar rote Mückenlarven, die größer sind als die Junggarnelen, werden schon gefressen. Die Alttiere stellen den Junggarnelen nicht nach. Allerdings sind sie dann leichte Beute für Fische. Die Jungtiere wachsen unterschiedlich schnell. Schon mit drei Monaten können sie geschlechtsreif sein. Dafür ist allerdings ein großes Becken, regelmäßiger Wasserwechsel und gute Fütterung notwendig. Meine größten Jungtiere vom November 1998 sind jetzt bis 4 cm groß.




