Krabben in der Süßwasser-Aquaristik
In diesem Artikel möchte ich ein Thema aufgreifen, von dem ich glaube, dass es für 2007 und die folgenden Jahre neben den bekannten Garnelen und Krebsen bei den Wirbellosen-Freunden herausragen wird.
Die Krabben (Brachyura) - auch echte Krabben oder Kurzschwanzkrebse - sind mit ca. 5000 Arten die größte Infraordnung der Ordnung Zehnfußkrebse. Die meisten Arten leben im Meer, einige aber auch im Süßwasser oder an Land. Krabben haben einen zu einer kurzen Schwanzplatte umgebildeten Hinterleib (Pleon), der umgeklappt unter dem Kopfbruststück (Cephalothorax) liegt - der Zwischenraum dient bei den Weibchen als Brutraum. Die Krabben, die man vom Kutter an der Nordsee kaufen kann, sind übrigens Garnelen.
Herumgesprochen hat sich, dass Krabben die Möglichkeit brauchen, das Wasser zu verlassen. Und das bezieht sich nicht nur darauf, an den Silikonnähten in den Aquarienecken empor und aus dem Becken hinaus zu krabbeln. Übrigens sind krabbelnde Krabben sehr schnelle Krabbler und man kann in die Wohnung geflüchtete Krabben nur recht schwer wieder einfangen. Meistens muss man selbst flink hinterher krabbeln, was doch in Ecken, Spalten und Mobiliar recht schwer fällt.
Generell sind alle Krabben-Arten hervorragende Kletterer und benötigen in ihrem Heim auch die Möglichkeit dazu. Die Einrichtung des Beckens kann man entsprechend gestalten und Wurzeln, Kork, stabile Pflanzen wie Anubias und Steine (z.B. Lavasteine oder Lochgestein) als Kletterhilfen verwenden.
Die meisten Krabben sind dämmerungs- oder nachtaktiv, was einfach zu erklären ist. In der Natur sind Krabben für viele Vögel und Echsen Nahrungsgrundlage, weshalb sich die kleinen Krabbler häufig nur nachts ins Freie wagen. Nur wo verbringen die Tiere die restliche Zeit? Meist in selbst gegrabenen Höhlen, die sie im Boden oder unter Steinen anlegen. Folglich sieht man die Tiere im Haltungsbecken nicht unbedingt so häufig. In Verkaufsaquarien sieht das anders aus, da sich die Tiere dort nicht verstecken können.
Die Fütterung kann man nicht pauschalisieren. So ist die Harlekin-Krabbe (Cardiosoma armatum) mit ihrem bis 20 cm großen Körper gut mit gefrorenen Stinten zu füttern, während klein bleibende Arten z.B. der Gattung Geosesarma gern kleine Regenwürmer fressen. Winkerkrabben der Gattung Uca sind es gewohnt den Schlick am Gewässerufer durchzukauen und kleine Futterpartikel heraus zu filtern. Entsprechend müssen sie gefüttert werden. Wichtig ist für alle eine abwechslungsreiche nicht zu proteinhaltige Ernährung, so dass neben tierischem Futter auch Pflanzliches und Laub gegeben werden sollte.
Die Vergesellschaftung ist abhängig von Art und Unterbringung. So werden Pseudosesarma bocourti mit einer Panzerbreite von 5 cm in einem kleinen Becken von 25 cm Kantenlänge kleine Schlammspringer (Periophthalmus septemradiatus) mit 6 cm Länge sicher kaum in Ruhe lassen. In einem 60er Becken lassen sich diese Grundelartigen jedoch gut mit kleinen Winkerkrabben zusammensetzen. Die süßen Vampir-Krabben (Geosesarma sp.) mit 2 cm Carapaxbreite sind übrigens sehr gute Zwerggarnelen-Jäger und freuen sich über jeden Bachflohkrebs, den sie erbeuten können.
Bisher habe ich die Begriffe "Aquarium" und "Süßwasser" vermieden, auch wenn ich in der Überschrift von "Krabben in der Süßwasser-Aquaristik" schreibe. In den Zooläden werden verschiedenste Arten von Krabben für das "normale" Aquarium verkauft. Dabei denken viele Aquarianer nicht darüber nach, ob diese interessanten Krabbler Wert auf bestimmte Wasserwerte.
Da die meisten Krabben für sie widrige Bedingungen über Monate ertragen können, wird beim Tod der Tiere auch nicht mehr überlegt, ob die Haltung generell schlecht war. Es war halt ein spontaner Nitritpeak oder die Tiere waren einfach zu alt.
Für nahezu alle in der Aquaristik angebotenen Krabben gilt: Es sind keine Aquarienbewohner! Alle benötigen ein Paludarium (Aquaterrarium), d.h. ein Becken mit Wasser- UND Landteil. Eine Landkrabbe wie Cardiosoma armatum wird früher oder später in einem reinen Aquarium ertrinken. Sie verbringt ihr Leben vornehmlich eingegraben in leicht feuchtem Sand im Landteil und geht nur zur Häutung und zum Freisetzen der Larven ins Meer- bzw. Brackwasser. Geosesarma-Arten wie die Vampir-Krabbe leben fast ausschließlich an Land, verstecken sich in selbst gegrabenen Gängen oder angebotenen Röhren und setzen ihre Larven im reinen Süßwasser ab. Sie häuten sich sogar zum Teil an Land. Winkerkrabben kommen an Stränden vor und sind am besten in einem Ebbe-/Flut-Aquaterrarium zu halten, in dem sie sich Gänge in den Sand graben können und ihre Larven im Meerwasser absetzen.
Ich habe in diesem Artikel nur einige Aspekte der Krabbenhaltung angerissen und die Zucht ganz heraus gelassen. Denn einerseits ist das Thema sehr komplex und man kann nicht alle Krabbenarten über einen Kamm scheren und andererseits gibt es den VDA Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern, in dem auch das Thema Krabben intensiv diskutiert wird (siehe www.wirbellose.de/akwb).



